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21.11.2012, 16:11 Uhr | SÜDKURIER / WILFRIED GEISELHART
Friedrichshafen: CDU stellt sich der Gretchenfrage
Thema "Ehe und Familie" im Fokus der Teilnehmer auf dem Podium
Unter dem Motto „Das C in der CDU – Anspruch und Verpflichtung“ hat der CDU-Ortsverein zur Diskussionsrunde eingeladen.  

Die Frage ist im Grunde so alt wie die CDU selbst, mal mehr mal weniger heftig wird sie seit den Zeiten Konrad Adenauers immer wieder gestellt. „Das C in der CDU – Anspruch und Verpflichtung“ – darum ging's bei der Diskussionsveranstaltung im Bonhoefferhaus. Eingeladen hat der CDU-Ortsverein. Am Podium: ein CDU-Minister a.D., ein katholischer Pfarrer, ein evangelischer Pfarrer. Kann aus dieser vermeintlich homogenen Gruppe ein interessanter Abend erwachsen? Es kann, vorausgesetzt, man kommt über den Austausch gegenseitiger Nettigkeiten hinaus – und man stellt die richtigen Fragen.

Nachdem das Gespräch zwischen Ulrich Müller, Bernd Herbinger und Hannes Bauer und damit die ganze Veranstaltung, die vom CDU-Vorsitzenden Manuel Plösser moderiert wurde, so leidlich vor sich hinzuplätschern drohte, blieb es Dieter Hornung, CDUler, ehemaliger Erster Bürgermeister und zweiter Vorsitzender der katholischen Gesamtkirchengemeinde, vorbehalten, den entscheidenden Impuls zu setzen. „Wo unterscheidet sich die CDU vom Profil her von anderen Parteien?“, fragte Hornung in die Runde, um sofort Konkretes nachzulegen. Stichwort: Gleichsetzung von Familien und gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. „Wenn wir in Beliebigkeit absacken, dann haben wir keine Chance“, lautete Hornungs klar formulierte Meinung. Nicht ganz so klar der Standpunkt von Pfarrer Bauer, kommissarischer Vorsitzender der evangelischen Gesamtkirchengemeinde. „Ich will mich in dieser Frage nicht eindeutig positionieren. Wo nehmen wir den einen etwas weg, wenn wir den anderen den gleichen Schutz gewähren?“, sagte er und brachte die stetig steigende Anzahl von Scheidungen ins Spiel.

 

Dass katholische Kirche und Papst an „Idealen“ orientiert seien, davon sprach Bernd Herbinger, Vorsitzender der katholischen Gesamtkirchengemeinde. Er verglich die Kirche mit der „Funktion der Großmutter in der Familie“, die meist als altmodisch angesehen werde, aber vielleicht doch oft Recht habe. „Ehe und Familie sind sozial besonders wertvoll“, drückte sich Ulrich Müller präziser aus. „Selbst wenn die Scheidungsraten auf 50, 60 oder 70 Prozent ansteigen, wäre die Ehe für mich die bessere Lebensform. Es geht nicht immer nur um die Frage der Zustimmung, sondern um Überzeugungen.“

 

Anderer Themenkreis: „Die CDU hat als Partei das Christliche nicht für sich allein gepachtet“, warf Hannes Bauer in die Diskussion ein. Gilt das umgekehrt aber nicht auch für die großen Volkskirchen? „Um im christlichen Sinne glaubwürdig zu sein und den Glauben zukunftsfähig zu machen, müsste es für Frauen in der Kirche nicht nur Nebenrollen geben“, forderte Magda Krom mit Blick auf die katholische Seite. „Also sind wir als CDU fortschrittlicher als die Kirche. Wir haben immerhin eine Frau als Kanzlerin“, meinte dazu Dieter Hornung. Noch eine bemerkenswerte Aussage an diesem Abend – bezeichnenderweise wieder von Ulrich Müller: „Politische Aussagen und persönliche Lebensführung sollten zusammenpassen“, gab er zu bedenken. Anders gesagt: „Wenn einer drei Frauen und dazu zwei Freundinnen hat, dann habe ich so meine Zweifel, ob er der Richtige ist, der sich zum Thema Ehe und Familie äußern sollte.“ 

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