Presse
07.10.2015, 12:06 Uhr
Dem Papst Merkel erklären und dem Papst Merkel erklären.
 Annette Schavan, Botschafterin am Heiligen Stuhl in Rom, ist der Promi-Gast bei der neunten CDU-Dämmerschoppenfahrt

Pünktlich um 19.41 Uhr heißt es „Leinen los“, kurz darauf „Mund auf“ für den Stargast: Die CDU hat gestern bei ihrer neunten Dämmerschoppenfahrt von Friedrichshafen nach Romanshorn und wieder zurück Annette Schavan auf dem Boot begrüßen dürfen.
Pünktlich um 19.41 Uhr heißt es „Leinen los“, kurz darauf „Mund auf“ für den Stargast: Die CDU hat gestern bei ihrer neunten Dämmerschoppenfahrt von Friedrichshafen nach Romanshorn und wieder zurück Annette Schavan auf dem Boot begrüßen dürfen.
Die 60-Jährige ist mittlerweile Deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl in Rom. Bevor die 2013 wegen Plagiatsvorwürfen zu ihrer Doktorarbeit zurückgetretene Bildungsministerin jedoch das Wort erteilt bekam, sprach der Stadtverbandsvorsitzende Norbert Fröhlich. „Wenn man in Stuttgart nicht mehr regiert, gehen einem die prominenten Gäste aus“, verwies er auf die Lage der CDU im einst schwarz-getränkten Baden-Württemberg.
30 bis 40 CDU-Mitglieder schlossen sich der schunkeligen – der starke Seegang machte einigen CDU-lern sichtlich zu schaffen – Fährenfahrt an. Briefe vom Bodensee würde sie immer besonders schnell beantworten, sagte die Vatikan-Botschafterin. Daher habe sie bei der Anfrage zur Dämmerschoppenfahrt nicht lange überlegen müssen. Zumal Schavans Verbindung zum Bodensee noch durch eine Ferienwohnung aufrechterhalten wird.
Der Unterschied zwischen ihrer alten Tätigkeit als Bildungsministerin und der neuen als Botschafterin des Heiligen Stuhls bestehe im Wesentlichen darin, mehr Zeit zu haben. „Schnell reagieren, sich Lösungen überlegen, Interviews geben“, all das müsse sie in Rom nicht, berichtete die gebürtige Rheinländerin. „Im Vatikan geht es um längere Linien, um größere Zeiträume.“ Der Heilige Stuhl stelle dabei die Verbindung der weltweiten Religionsgemeinschaft dar.
Mit Merkel befreundet
Religion war auch das Thema, das Schavan während der Fahrt größtenteils thematisierte. Dass sie auch den nötigen Sachverstand für den Posten mitbringt, wurde bereits nach wenigen Minuten deutlich. Enzykliken, Kyrie, Zölibat – die Auswahl an Fachbegriffen war groß. „Dem Papst Merkel erklären und Merkel den Papst erklären“, sei im Wesentlichen ihre Aufgabe, womit Schavan gleichzeitig betonte, dass sie in Rom durchaus etwas zu tun habe – und mit Angela Merkel nach wie vor gut befreundet sei.
Das Christentum habe – vor allem auch nach dem Verständnis des Papstes – eine gestalterische Kraft und sei eine Gemeinschaft, die sich um die Welt sorge, nicht um die Kirche. Gerade in Zeiten des IS-Terrors müsse man als Kraft gegen das Totalitäre wirken.
„Die wesentlichen Auseinandersetzungen der Zukunft werden sich um Religion oder um Wasser drehen“, reduzierte sie künftige Probleme recht deutlich. Daher sei es gut, dass der Papst das Politische so schätze.
Verabredungen mit dem Papst
Papst Franziskus bekomme sie regelmäßig zu sehen: Entweder treffe sie ihn zu liturgischen Ereignissen, Staatsbesuchen oder zum Gespräch mit Referenten – jedoch nie unter vier Augen. Ein Sekretär oder Bediensteter sei immer dabei. Sie selbst hat auch 25 Mitarbeiter und beschäftigt sich „zu 80 Prozent mit internationalen Themen wie Armutsbekämpfung, aber auch mit sozialer Marktwirtschaft, die in den Dialog der Kirche eingebracht werden kann“, wie die 60-jährige Botschafterin berichtete.
Bevor sie sich diesen Themen wieder in Rom widmet, hat sie noch einige freie Tage in ihrer Wahlheimat am See. Die Dämmerschoppenfahrt endete nach Fragen von CDU-Mitgliedern an Schavan mit einem traumhaften Sonnenuntergang und der sicheren Ankunft im Häfler Hafen – pünktlich um 21.17 Uhr.

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